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Hingucker , von Karin Müller Hingucker

Die Stadt Bern als Catwalk?! Am Samstagnachmittag, wenn die Stadt voll von Flanierwütigen ist?! Welch brilliante Idee. Der Gefahr, dass die Mode im Trubel untergeht oder die Kulisse ihr die Show stiehlt, wirken die OrganisatorInnen von 'Loufmeter' mit ihrem Konzept gekonnt entgegen. Erstens werden die Models von einer marching Band (Fats Tiger’s Swing Monkey) begleitet, zweitens fallen Leute, die in einer Einerreihe durch die Stadt wandeln sowieso auf, und last but not least sind die Stücke der 8 einheimischen Designer, die präsentieren, eine Augenweide.

Die Modeschau der anderen Art beginnt am 28. Mai 2016 um 14.00 Uhr beim Kulturbüro Bern, führt durch die Altstadt und dauert ungefähr 75 Minuten. Man kann also gemütlich beim Kaffee sitzen und sich an der bunten, wunderschönen Parade die Augen wundsehen.

Für längeres Betrachten und Kaufen empfiehlt sich der Showroom im 1. Stock des Lorenzini/DuTheater (von 11.00 bis 18.00h). Und man kann beim Shoppen ein gutes Gewissen haben, weil man junge, einheimische Designer unterstützt. (wdh)

www.loufmeter.ch

Der Geschmack der Freiheit , von Michel Gygax Der Geschmack der Freiheit

Essay von unserem Gastautor Rudolf Trossen, biodynamischer Mosel-Winzer der ersten Stunde:

In letzter Zeit bringen neue Begriffe einiges an Verwirrung, in die an Kompliziertheiten schon reiche Weinwelt: An Bio-Wein hat man sich gewöhnt, weiß, dass damit Weine gemeint sind, die nach EU Bio-Richtlinien erzeugt und verarbeitet sind. Aber nun redet man viel von Spontangärung, Orange-Wein, Amphoren-Wein und Natur-Wein. Alle diese Begriffe werden von fachlich nicht immer ganz sattelfesten Autoren munter durcheinander gewirbelt.

Am Anfang der Weinkultur, deren Beginn man etwa 6 000 Jahre vor Chr. oder gar noch früher, in den einst waldreichen Gebieten zwischen Ararat, Georgien und dem Hindukusch vermutet, wurde der Wein nur aus Trauben bereitet. Dass später in Griechenland und Rom, ja bis in die Neuzeit hinein der Wein mit allerlei Zutaten, wie Kräutern und Gewürzen, Wasser, Honig, Harz, Asche, ja sogar Blei vermischt wurde, wissen wir aus antiken Quellen. Wir trinken ja heute noch gern Glühwein, Punsch und Bowle.

Die ersten Weinbauern haben, vermutlich angeleitet von weisen Männern und Frauen aus geistigem Umfeld, die Wildform der Rebe, die lianenartige Waldrandbewohnerin Vitis silvestris, nach und nach kultiviert, veredelt und deren Früchte überhaupt erst groß, süß und schmackhaft gemacht. Die Rebe ist eine der ältesten Kulturpflanzen und möglicherweise zeitgleich oder gar früher mit den Getreidearten Einkorn und Emmer mit ähnlichen Kulturtechniken aus vorgefundenen Wildformen gezüchtet worden. Somit stehen Brot und Wein real und symbolhaft für die neolithische Revolution, den Fortschritt von Natur zur Kultur und kennzeichnen somit den Beginn der modernen kulturellen Menschheitsentwicklung. 

Die reifen, saftstrotzenden Beeren wurden einst mit den Füßen zerquetscht und mit Schalen und Stielen in ein in den Erdboden eingelassenes Tongefäß gefüllt und verblieben dort bei langsamer Gärung mehrere Monate. Der beispielsweise für religiöse Feste zu Ehren des Wein- und Vegetationsgotts Dionysos herausgeschöpfte Wein war durch den langen Kontakt mit den Schalen, Stielen und ihren Säuren ganz orange geworden und dadurch vor zu früher Oxydation geschützt, stabil und langlebig.

Der ursprüngliche Wein war also ein Bio-Wein, weil ohne naturfremde Stoffe erzeugt, er war ein Orange-Wein, weil mit den Schalen vergoren, somit spontan-vergoren, weil ohne zugesetze Hefen und war ein Naturwein, also ohne Beimischungen und Behandlungen aller Art wie Schönung oder Schwefelung.

Heute ist die urtümliche Weinbereitung in verschiedene Traditionen und Varianten übermittelt, mehrheitlich noch handwerklich geprägt, aber auch zunehmend technisch standardisiert und industrialisiert. Meist begleitet von diversen Zutaten und Eingriffen im Rahmen bestehender Gesetze. Es gibt eine Vielzahl die natürliche Weinwerdung korrigierender und lenkender Maßnahmen, wie die vom Zucker- oder Saftkonzentrat-Zusatz zur Alkoholerhöhung oder Zusätzen zur Säureminderung oder Erhöhung, der Verwendung von Enzymen, Zuchthefen und verschiedenen Schönungs- und Konservierungsmitteln, bis hin zur sterilen Filtration, um auch Weine mit natürlicher Süße haltbar machen zu können. Darüber wird nicht gerne geredet, weil der Mythos des Reinen und des Natürlichen den Wein umschwebt, ähnlich dem Reinheitsgebot beim Bier und die Weinindustrie das gerne auch so belassen möchte.

Die Liste der erlaubten Maßnahmen und Zusätze ist erstaunlich lang, für Laien schwer verständlich und nicht immer leicht auffindbar. Viele Konsumenten wollen das aber auch gar nicht so genau wissen, andere sehr wohl. Es ist ohne Zweifel richtig, dass es Möglichkeiten der Korrektur geben muß, weil die natürlichen Rahmenbedingung nicht immer so günstig sind, dass eine Weinwerdung quasi von selber sauber und störungsfrei gelingt und das Terroir zum Klingen bringen kann. Das Problem liegt einerseits im richtigen Maß: Was, wann und wie viel an Korrektur ist nötig, ohne dass der Wein gestresst, überformt und gesichtslos wird und andererseits, in nicht immer ausreichender Transparenz, ob dieser Eingriffe, dem fragenden Genießer gegenüber. 

In Vino Veritas? Bei den Weinen aus sogenannt ökologischer Erzeugung gibt es seit ein paar Jahren auch EU-Richtlinien für die Kellerwirtschaft. Die Zahl der Maßnahmen und Zusätze ist gegenüber dem normalen Weinbau reduziert. Die Verbände wie Ecovin, Bioland oder Demeter haben noch engere Richtlinien. Aber selten ist Biowein natural, also ganz ohne Zusätze, oder orange, also mit Schalenkontakt vergoren. Nicht jeder Orange-Wein, stammt aus ökologischer Erzeugung und ist ohne Zusätze. Man findet Weine auf dem Markt, die mehr oder weniger konventionell angebaut wurden, also mit Verwendung von synthetischen, salzhaltigen Stickstoffdüngern und einer Vielzahl Agrar-Chemikalien inklusive Herbiziden und mit Hilfe von Zuchthefen auf den Schalen vergoren wurden, also von Farbe und Charakter her Orange-Weine sind. Oft werden diese Weine, wenn auch in kleinen Dosen, geschwefelt, kommen aber wegen der orangenen Farbe und dem charakteristischen Gerbsäuregehalt mit dem Nimbus des Natürlichen daher.  All das macht die Sache einigermaßen unübersichtlich. Zusätzlich erschwert der Gesetzgeber die Lage, weil er verlangt, dass auch Weine, denen keinerlei Sulfite zugesetzt wurden, trotzdem den Zusatz „enthält Sulfite“ auf dem Etikett tragen müssen, wenn sie von Natur aus mehr als 10 mg/l Gesamt-Schwefel  enthalten. Dass dieser Schwefel nicht vom Winzer zugefügt wurde und auch keinerlei stabilisierende oder geschmackliche Wirkung hat, interessiert den Gesetzgeber bis dato nicht. Den einen oder anderen Weinfreund aber sehr wohl. Hier wäre mehr Transparenz zur Orientierung der Verbraucher wünschenswert. Wir Bio-Winzer hätten nichts dagegen, wenn auf jedem Etikett aufgelistet wäre, was dem Wein zugesetzt wurde und welche Verfahren er durchlaufen hat. In Vino Veritas!

Da in weiten Teilen der Weinwelt häufig mit denselben Methoden und Maschinen an- und ausgebaut wird, ähnliche Hefen geschmacksbildend zum Einsatz kommen, wenden sich in letzter Zeit vermehrt, vor allem jüngere Sommeliers und Weinfreunde gelangweilt von einer gewissermaßen globalisierten Wein-Stilistik ab, die standardisierte, feingeschliffene und polierte Weine präsentieren, die die Geschichte ihres Ursprungs kaum erzählen können. Natürlich haben diese Weine für den schnellen Massenkonsum ihre Berechtigung auf dem Weinmarkt, aber besagte Weinenthusiasten wollen Weine mit mehr Charakter und Individualität, und machen sich auf die Suche nach dem Unverwechselbaren, dem Authentischen, dem tatsächlich von der Örtlichkeit, dem Terroir und der Winzerpersönlichkeit geprägten Geschmack. Offensichtlich finden sie das, was sie suchen, eher bei handwerklich und biologisch arbeitenden Weingütern.

In Georgien ist die Tradition der Maischegärung in Amphoren ja nie ganz abgerissen und auch in Europa haben sich zuerst in Frankreich, im Friaul, Slowenien, dann in Österreich und nun auch in Deutschland, einzelne Winzer wieder verstärkt den uralten Weinerzeugungs- traditionen zugewandt. Es herrscht eine gewisse Vielfalt an traditionellen Wein-Stilen und Methoden. Einig sind die Winzer aber in einer ausgeprägten Zurückhaltung gegenüber vielen heute standartmäßig vorgenommen Eingriffen und Zusätzen. In Frankreich gibt es seit einigen Jahren bei der Assocation Vins Naturell verbindliche Regelungen, was unter natürlichem Wein zu verstehen ist. Der Anbau im Weinberg ist immer biologisch oder biodynamisch. Alle Trauben sind handgelesen, vergären spontan ohne Reinzuchthefe,  es wurden keine Schönungsmittel zugesetzt, und wenn überhaupt, dann nur einen Hauch von Schwefel beim Abfüllen. Die Veranstaltungen, die sich dem Thema widmen nehmen sprunghaft zu. Mehr als 60 Salons dieser Art gab es 2015 alleine in Frankreich. Der Erfolg ruft natürlich Kritiker auf den Plan. Einige Blogger reagieren geradezu mit Abscheu auf unbehandelte Weine, bejammern den Untergand des Abendlandes und das Ende aller Weinkultur. Tatsache ist sicher, dass nicht alle Winzer auf Anhieb das Prinzip der losen Lenkung meisterlich handhaben können und es gelegentlich, gerade bei Quereinsteigern auch Weine gibt, die man ruhig als misslungen bezeichnen kann. Muss man nicht trinken. Es gibt auch viel Langeweile in Flaschen auf Winzerfesten und in Supermärkten. Aber die Natur-Wein-Bewegung als Mode gelangweilter Stadtneurotiker zu bezeichnen geht völlig an der Sache vorbei und zeugt nur von beschränktem Horizont, viel Ignoranz und wenig Sachkunde. Der Wein-Purismus, das Beschränken auf das Wesentliche, wird bleiben. In der Küche ebenso wie im Keller. 

Wein ist das Getränk der Freiheit. Ein anregendes und inspirierendes Genussmittel, das in erster Linie Freude in die Herzen der Menschen bringen soll. Es soll zu gemeinsamem Genuss einladen, zu Gespräch und Begegnung bewegen und keine neuen Gräben zwischen Menschen aufreißen. Dionysos, Gott des Weines, hat seine Gabe nicht in die Welt gebracht, um die Menschen zu bevormunden und neue Verbote und Dogmen in die Welt zu bringen, sondern um die persönliche Freiheit des Menschen durch die Steigerung der individuellen Erlebnismöglichkeiten, durch Tanz, Theater, Rausch und Ektase überhaupt erst möglich zu machen. Das war in alter Zeit, als die Menschen durch Blut und Boden, Sippe und Familie, Traditionen und Verbote arg eingeschränkt waren, ein sehr fortschrittlicher, revolutionärer Akt der Anarchie. Wer immer heute noch dem Wahn verfallen ist, sich berufen fühlt, erwachsenen Menschen Vorschriften bezüglich ihres Lebenswandels oder Genussvorlieben machen zu müssen, ist dagegen aus der Zeit gefallen, ein lebendes Fossil, ein Anachronismus. Er hat einfach noch nicht genug guten Wein gekostet, um weise zu sein und zu wissen, wie die Freiheit schmeckt: In Vino Libertas! 

www.trossenwein.de

La rossa e la città dei bici , von Léa Urben La rossa e la città dei bici

So werden sie genannt, die beiden Städte Bologna und Ferrara in der Region Emilia-Romagna im Norden Italiens. Alle beide sind sie eine Reise wert und mit dem Zug ab Bern in gut 5 Stunden erreichbar.

Bologna, gleichzeitig Hauptstadt der Emilia-Romagna, wird auch "la dotta" genannt, die Gelehrte, da sie die älteste Universität Europas beherbergt. Eine weitere Besonderheit von Bologna sind die fast 40 km langen Arkadengänge, die bei Regen Schutz und Trockenheit und bei sommerlicher Hitze angenehmen Schatten spenden. Bologna hat viele Gesichter: "la rossa", die Rote, ist ein Hinweis auf die roten Ziegel der Häuser und die vorherrschende politische Richtung, "la grassa", die Fette steht für gehaltvolles Essen - Tortellini al ragù, Tagliatelle Bolognese oder Lasagne al forno sind nur einige Leckereien, die nirgends in Italien so gut schmecken wie in dieser Gegend.

Ferrara hingegen gilt als DIE Fahrradstadt Italiens, was auf den ersten Blick verwundern mag; fast 90% aller Einheimischen benützen das Fahrrad als Fortbewegungsmittel: zum Radfahren laden breite Fußgängerzonen, zahlreiche mittelalterliche Gassen und der 9 km lange Stadtwall ein, auf dem ohne Unterbrechung geradelt werden kann. Im Gegensatz zu nordeuropäischen Städten gehört die Raserei auf Fahrrädern nicht zum alltäglichen Straßenbild. Man radelt gemütlich nebeneinander, um sich zu unterhalten. Das Fahrradfahren gilt in Ferrara als das geeignetste Mittel, um die Stadt und ihre mittelalterlichen Straßen und Winkel näher kennenzulernen.

Kulinarische Tipps:
Bologna: Ristorante Drogheria della Rosa, Via del Pratello (Strasse mit vielen Restaurants, sehr beliebt bei den Einheimischen)
Ferrara: Ristorante quel fantastico giovedi,  Ristorante l'oca giuliva

Ur-Kaffee , von Ursina Steiner Ur-Kaffee

In den Bergen der äthiopischen Provinz Kaffa soll der Kaffeebaum Caffea arabica seinen genetischen Ursprung haben. Noch immer wachsen dort über 5000 verschiedene Arabica-Sorten – uralte, moosbehangene Bäume – mitten im dichten Regenwald. 

Dank dem Sammlerfleiss der lokalen Bergbevölkerung und einer Initiative des Fair-Trade-Unternehmens Originalfood ist Ur-Kaffee auch für unsereins erlebbar: Die Kaffa-Bohnen gibt es in Bioläden oder frisch ab Rösterei in der neu eingerichteten Kaffeewerkstatt in Kriens LU zu kaufen. 

Und wer die ganze Fülle an purem Aroma und unverfälschtem Geschmack von einem Kaffeologen begleitet erfahren will, dem sei ein Kaffeehandwerker-Workshop brühend heiss empfohlen.

www.originalfood.ch

Grosser Genuss in Kleinbasel , von Maja Boss Grosser Genuss in Kleinbasel

Von der Decke hängen zu Lampenschirmen umfunktionierte Glasschüsseln, Kerzenständer aus alten Gabeln zieren die Tische und bunt zusammengewürfelte Holztische und Stühle lassen im Lokal eine heimelige Atmosphäre aufkommen. Auf dem antiken Regal stehen Geschirr und hübsche Vintage-Objekte und unter gläsernen Glocken befinden sich gluschtige Kuchen. Das Lokal für etwa 30 Gäste in Kleinbasel ist ein Bijou und besticht mit einer kleinen aber feinen Karte: Aus regionalen Produkten werden kreative und mit "Superfood" angereicherte Gerichte gezaubert, mit Liebe angerichtet und mit Charme serviert. 

Seit gut anderthalb Jahren führen Maya Tutaro und Claire Guerrier in Kleinbasel das von aussen eher unscheinbare Lokal „ la fourchette“ und es ist zu hoffen, dass sie es noch lange tun.

la fourchette, Klybeckstrasse 122, 4057 Basel; www.lafourchettebasel.com

Die Rückkehr des Herrn de Mourbach (Krimi) , von Rosmarie Bernasconi Die Rückkehr des Herrn de Mourbach (Krimi)

Justus Imfeld: Die Rückkehr des Herrn de Mourbach (1953) - "Die Rückkehr des Herrn de Mourbach" ist eine Entdeckung. Anfang der 50er-Jahre geschrieben, also zeitgleich mit den Kriminalromanen von Friedrich  Dürrenmatt, atmet der Text den Zeitgeist. Ein Landarztkrimi, verfasst von  einem weithin bekannten Stadtarzt. Liebevoll und nah bei den Menschen  ermittelt Balthasar Gerber in der Gegend um Biel.

Baron Eugene de Mourbach, ein in Frankreich reich gewordener Rückkehrer,  will seinen Etishof, ein Wasserschloss aus dem 15. Jahrhundert, zu altem Glanz führen. Er lässt sich mit seiner Entourage im ,,Bären“ nieder, seine  Adoptivtochter, die betörende Sylvie, verwirrt die jungen Männer des Dorfes.  Oben am Schüssgraben wohnen als Gegenspieler der Wunderdoktor Grabenueli und seine Frau Marie, die in der Schwarzen Kunst bewandert ist. 

Als Baron de Mourbach ermordet wird, gerät das Dorfgefüge durcheinander. "Der Doktor hob den Blick und sah durchs Fenster in die dunkle Nacht hinaus. Gute Mittel waren das, zweifellos, aber es war nicht, was er suchte. Gab es keine Pillen gegen das Heimweh oder Pulver gegen die Unterdrückung der  Schwachen, wo waren die Tropfen, die den bohrenden Schmerz des erlittenen Unrechts beseitigten? Hier war mit allen Fläschchen und Salbentöpfen nichts anzufangen.“  

Die Edition Mordstage hat sich zum Ziel gesetzt alte Krimis von namhaften Persönlichkeiten neu aufzulegen. Es sind Herzensprojekte von Paul Ott und Kurt Stadenmann. Im hinteren Teil des Buches lesen Sie jeweils die ausführliche Biografie des Autoren. Spannend ist es alleweil und ich finde, dass Paul und Kurt viel Aufwand betrieben, um unvergessliche Literatur unvergesslich zu machen.

Die Bücher von Edition Mordstage finden Sie in vielen symphatischen und kleinen Buchhandlungen.

Wildbienen – pflegeleichte Balkonbewohner , von Reto Hügli Wildbienen – pflegeleichte Balkonbewohner

Wildbienen sind vom Aussterben bedroht. Mit einem Bienenhäuschen auf dem Balkon oder im Garten trägst du zur Vermehrung dieser wertvollen Tiere bei. Ohne Bienen haben wir es schwer: Ein Drittel unserer Nahrung landet nur auf dem Teller, weil Bienen Blüten bestäuben.

Das Zürcher Startup «Wildbiene + Partner» hat deshalb ein Konzept entwickelt, um dem Bienensterben Einhalt zu gebieten: Es versendet im Frühling Bienenhäuschen und rund 15 Bienenkokons. Auf Balkonen und in Gärten der «Bienenpaten», schlüpfen die Tiere, bestäuben die umliegenden Pflanzen und vermehren sich. Ein einziges Weibchen besucht und bestäubt circa 40’000 Blüten. Eine ungefährliche Sache: Mauerbienen sind harmlos und stechen – anders als etwa Honigbienen oder Wespen – nicht. Deshalb eignen sich die Wildbienen gut für die Haltung in der Stadt, beispielsweise eben auf dem Balkon.

Im Herbst schickst du die Bienenkokons zurück. «Wildbiene + Partner» pflegt, reinigt und überwintert die Tiere fachgerecht. Das Beste: Im nächsten Frühjahr bekommst du kostenlos eine neue Startpopulation und der Bestäubungszyklus beginnt von vorne!

Informationen und Bestellungen: www.wildbieneundpartner.ch

Welchen Wert hat temporärer Genuss? , von Michel Gygax Welchen Wert hat temporärer Genuss?

Vier Abgänger der Hotelfachschule Thun beleben das Ristorante Tiramisù im Berner Mattenhofquartier mit einem Pop-Up Projekt. Unter dem Motto „Wir tischen auf. Du bezahlst, was es Dir wert ist.“ zelebrieren sie ihre Vorstellung von Gastgebertum während vier Wochen. Die 4 Ragazzi, wie sie sich nennen, übernehmen im Mai das Ristorante Tiramisù an der Belpstrasse 34 nahe des Berner Eigerplatzes. Sie bringen eine wunderbare Ladung an Wissen, Motivation und Gastfreundschaft mit.

Während des Pop-Ups werden die Gäste mit einer mehrgängigen Tavolata verwöhnt. Mittags kürzer und abends länger. Da die vier Gastgeber bestimmen, was es zu essen und zu trinken gibt, überlassen sie den Gästen freie Hand bei der Bezahlung und vertrauen darauf, dass die Gäste dies wertschätzen und sie fair und angemessen entschädigen. Nur im Mai 2016.

www.ristorante-tiramisu.ch

Pimp my wine! , von Felix Woodtli Pimp my wine!

Was haben die grössten Schinken, VW, die besten Radfahrer die taffsten Jupies und die schönsten Model-Stars mit den höchstbenoteten Weinen gemeinsam? Du ahnst es? Alle sind ein wenig aufgemotzt, sei es mit Wasser, Abgastest-Software, Elektromotörchen oder Epo, Koks, Botox oder Silikon, Eichenschnipsel oder E414.

E414 ist eines der vielen Dopings das Winzer und Önologen hilft ihren Wein aufzumotzen. E414 tönt gefährlich, chemisch. Hinter den E-Nummern verbirgt sich aber nur die EU-Normen-Liste für bewilligte Hilfsstoffe im Lebensmittelsektor. E414 wird aus dem Harz von Akazien gewonnen. Es handelt sich um Gummi arabicum. Gummi arabicum gilt als nicht gesundheitsschädlich und darf auch in biologischen Lebensmittel verwendet werden. Es ist ein sogenanntes Polysaccharid, das zum Stamm der Heteropolysacharide gehört und ist neutral bis schwach sauer und wasserlöslich. Bereits die alten Ägypter mumifizierten damit ihre toten Pharaonen auch Lenin stinkt in seinem Mausoleum unter Gummi arabicum vor sich hin. Für was soll Gummi arabicum im Wein nützlich sein? Die zähflüssige Substanz die auch in weisser Pulverform daherkommt verwendet die Lebensmittelindustrie als Aromastabilisator. Im Bier stabilisiert es den Bierschaum, verhindert die Kristallisierung des Zuckers in Gummizeltli und bindet die Farbstoffe. Gummi arabicum stabilisiert also so ziemlich alles. Im Wein sorgt E414 für Geschmeidigkeit und mollige Fülle. Die herben bis leicht bitteren Tannine verlieren ihren adstringierenden Charakter. Sie werden weicher und fetter wahrgenommen. Der Zusatzstoff stabilisiert die Farbe, hilft bei der Stabilisierung von Weinstein und Metallkomplexen und sorgt dafür, dass Wein mit hohen Alkoholprozenten nicht ganz so alkoholisch schmeckt. Außerdem ist er dafür bekannt, das Mundgefühl zu "verbessern". Der Wein wird vollmundig, rund, die Gerbstoffe sanft und harmonisiert. Das ist vielleicht die wichtigste Eigenschaft, denn Gummi arabicum hat unser aller Weingeschmack verändert.

Kritiker sagen, Gummi arabicum mache Wein zu Coca Cola. Mit E414 aufgemotzte Weine bekommen durch die „Wein-Tester“ mehr Aufmerksamkeit, höhere Punkte. Der brancheninterne Übernahme lautete früher auch „Pamela-Wines“, in Anlehnung an die blonde Gummipuppe aus der Baywatch-Serie. Der Markt schreit nach muskulösen, molligen, süssen und jungen Weinen. Die Lagerung interessiert kaum jemand, die Welt der Parfüme die in alten Weinen natürlicherweise entstehen ist eh nur bla, bla, bla. Wir wollen Leben und geniessen, jetzt und das aus dem Vollen. Gummi arabicum ist nicht nur in Industrie-Weinen sondern auch in etlichen der teuersten, höchstbewerteten Weinen der Welt enthalten. Auch Biowinzer nutzen das legale Pimpen mehr und mehr.

Die Problematik von E414: bei einigen Menschen kann es vermutlich gröbere Allergien auslösen. Die versüssten, fetten und doppelt so langen Tanninketten werden durch unsere Rezeptoren nicht als solche erkannt, dem Gehirn wird vorallem Süsse übermittelt, unsere Verdauung ist irritiert und funktioniert suboptimal, als „Tannin-Intoleranz“ bekannt sorgt sie bei empfindlichen Menschen dann für ungewünschte Nebenwirkungen von Hautrötung, Hitze, Trockenheit bis Atemnot.  Fazit: Stopp mit Wein trinken. Als direkte Nebenwirkung verlieren auch die Winzer ihre Kunden. Runde, vollmundige Weine kann man absolut ohne Gummi arabicum herstellen. Dazu braucht es Ethik, Geduld und gesunde, phenolisch reife Trauben. Die herbe Härte des jungen Weines die eine Garantie für harmonischen Altern andeutet wird durch den Einsatz von E414 zerstört. Superweine werden nach kurzer Zeit zur Plörre. Für biodynamische Weine mit Demeter-Zertifizierung ist Gummi arabicum ein absolutes Tabu.

Zum Glück entscheiden sich auch immer mehr kleine Winzer ebenfalls den Weg naturnahe, ungeschönte Weine zu keltern. Eine konsequente Absage an die Methoden der Lebensmittel-Technologie ist auch die einzige Chance die ihnen ein Überleben in einem immer härteren Marktumfeld einigermassen garantieren kann. Noch sind es nur wenige Konsumenten denen Ethik im Wein wichtig ist, es werden aber laufend mehr. 

Von der Leidenschaft für schöne Bücher , von Reto Hügli Von der Leidenschaft für schöne Bücher

Die Journalistin Tina Uhlmann, der Kommunikationsfachmann Godi Huber und der Gestalter Viktor Näf haben sich in den Dienst der schreibenden Zunft gestellt. Mit ihrem Kleinverlag «Sage und Schreibe» im Breitenrain bieten sie unbekannten Autorinnen und Autoren mit ihrem Geschäftsmodell die Möglichkeit, ihren Traum vom eigenen Buch zu verwirklichen.

Das Dreierteam engagiert sich mit Leidenschaft für ausgewählte Buchprojekte: «Wir veröffentlichen Texte mit inhaltlichen, sprachlichen oder formalen Besonderheiten in Form schöner, individuell gestalteter Bücher». Damit besetzen sie eine Nische, werden doch die meisten dieser Manuskripte bei Grossverlagen abgelehnt. «Wir gehen für den gesamten Publikationsprozess eine Partnerschaft mit unseren Autorinnen und Autoren ein» erläutert Uhlmann. Damit fördert der Kleinverlag Newcomer. Mit dieser Partnerschaft geht der Autor aber auch Verpflichtungen ein: Er übernimmt die Finanzierung der Verlagsleistungen (etwa Prüfung des Manuskripts, Lektorat, Satz, Gestaltung des Covers, Druck und Marketing). 

Da die Bücher in einer kleinen Auflage von 500 Exemplaren produziert werden, hält sich der finanzielle Aufwand für frischgebackene Autoren in Grenzen. Wenn die Hälfte der Auflage verkauft ist, sollten die Produktionskosten in der Regel wieder eingespielt sein. Bis dahin gehen die Einnahmen aus dem Buchverkauf vollumfänglich an die Autorin oder den Autor. Nachdem die Gewinnschwelle erreicht ist, wird der Gewinn zwischen Verlag und Autor aufgeteilt. Eine für die Branche äusserst autorenfreundliche Zusammenarbeit, wie Uhlmann betont.

Was macht einen guten Text aus? «Wir sind offen für alles – von Lyrik bis Krimi». Es müsse eine spannend erzählte Geschichte sein, der Text müsse den Leser packen und Tiefgang aufweisen. Uhlmann: «Der Text muss zugänglich sein, darf aber ruhig einen eigenen Stil und eine eigene Sprache pflegen. Der Autor soll seinen persönlichen Weg finden und gehen».

Wer weiss, vielleicht bekommen einige Leserinnen und Leser Lust, ihre Manuskripte einzureichen? Wir bleiben dran.

Verlag Sage und Schreibe, Waffenweg 15, 3014 Bern, www.sageundschreibe-verlag.ch